Durch die Verzerrung des Glases werden die klaren Konturen der Textur zu einem flüssigen Mosaik aus goldenem Schimmer und unergründlicher Tiefe.
In zwei meiner bisherigen Arbeiten stand eine Glasschale mit unregelmässiger Oberflächenstruktur im Mittelpunkt: Erst liess ich sie in «Gläserne Wellen» wie fliessendes Wasser auf hellem Grund wirken, bevor sie in «Die Metamorphose des Glases» vor dunklem Hintergrund fast wie glühendes Edelmetall leuchtete.
Nun kehrte ich ein drittes Mal zu diesem vertrauten Objekt zurück, kombinierte es jedoch mit einem weiteren Fundstück: einem gemusterten Schal, den ich vor Kurzem in einem Brockenhaus entdeckt hatte.
Ein Leuchten aus der Tiefe
Tritt man nah an das Motiv heran, verliert die Zeichnung des Stoffes ihre feste Struktur. Die dicke, wellenförmige Glasstruktur greift in die Linienführung ein und löst sie in organische, flüssige Bahnen auf. Was eben noch ein Stoffmuster war, verwandelt sich in ein schimmerndes Geflecht aus goldenen Akzenten und weichem Schatten.
Durch die optische Verzerrung des Glases entsteht der Eindruck einer verborgenen Unterwasserwelt: Helle, weisse Reflexionen auf den Kanten der Schale durchziehen das Bild wie feine Schaumkronen oder Sonnenlicht, das sich auf einer sanft bewegten Wasseroberfläche bricht.
Eine Verstrickung von Licht und Textur
In den präzisen Nahaufnahmen entfaltet das Fundstück seine ganz eigene Faszination: In den dunkelgrünen Stoff sind feine, goldene Fäden eingewebt, die durch die sanften Wölbungen der Schale belebt werden.
Das unebene Glas bricht den Schimmer der goldenen Textur und löst ihn in winzige, glitzernde Fragmente auf. Wie feiner Goldstaub oder verstreute Funken leuchten die metallischen Akzente aus der Tiefe des kühlen Stoffes hervor.
In der Unschärfe verschmelzen das Raster des Gewebes, die Goldfäden und die Struktur der Glasschale zu einem warmen, magischen Glimmern – ein kunstvoller Kontrast zwischen dem kühlen Material des Glases und der facettenreichen Struktur des Textils.
Ein ruhiger Moment der Verwandlung
Drei Blickwinkel auf dasselbe Objekt – und jedes Mal entsteht eine völlig neue Welt.
Es fasziniert mich immer wieder zu sehen, wie ein gewöhnlicher Alltagsgegenstand durch eine neue Kombination und die präzise Ausrichtung des Lichts seine Identität komplett verändern kann.
In diesen letzten Bildern der Fotoreihe löst die Struktur der Glasschale das Muster des Schals fast vollständig auf und verwandelt es in eine geheimnisvolle Unterwasserwelt.
Ein leiser Abschluss für eine Serie die zeigt, wie viel Tiefe im Verborgenen wartet, wenn wir dem Motiv genügend Zeit geben.
Mehr Einblicke in meine fotografischen Arbeiten und Serien finden Sie in meinem Portfolio sowie auf Instagram unter @echoesindetail.




